| Die Samurai
Seit dem 8. Jahrhundert wurde Japan von einem Kaiser regiert. Die Fujiwara, eine besonders mächtige Familie, ernannte ihn, und um 1000 stand das höfische Leben in voller Blüte. Aber der Einfluss des Hofadels nahm ab, als weitere Clans im 12. Jahrhundert an Einfluss gewannen. Im 12. Jahrhundert lieferten sich die Taira und die Minamato erbitterte Kämpfe. Langsam bildete sich ein neues System heraus. Der Hof verlor weiter an politischer Macht und die Clans gewannen an Bedeutung. Aus den oberen Gesellschaftsschichten entwickelte sich eine neue Militärelite. Der Kaiser und seine Regierung blieben erhalten, aber sie hatten nur eine repräsentative Funktion. Es etablierte sich der Shogun, ein vom Kaiser eingesetzter Oberbefehlshaber.
Unter diesem militärischen Führer standen die Daimyo, die Herrscher über ihre Provinzen waren. Damals entstand die Samurai-Kaste. Die Samurai waren militärische Diener eines Daimyo, dem sie verpflichtet waren. Von einem Samurai erwartete man uneingeschränkte Loyalität zu seinem Dienstherrn, strenge Selbstdisziplin und Mut.
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts verlor die Krieger-Aristokratie die Kontrolle über das Land. Nach einem langen Bürgerkrieg wurde Japan endlich vereint unter dem Führer Toyotomi Hideyoshi. Reformen veränderten auch das Leben der Samurai, die nun in Burgen wohnten und nicht mehr, wie vorher, den ihnen zugeteilten Boden bewirtschaften ließen.
Ein Edikt von 1591 setzte nun eine ganz strenge Hierarchie fest, in der die Samurai ganz oben standen. Danach kamen die Bauern, die Handwerker und zuletzt die Kaufleute. Die Japaner nennen das System abgekürzt shi-no-ko-sho (Samurai-Bauer-Handwerker-Kaufmann). Die Zugehörigkeit zu einer Klasse war durch die Geburt bestimmt. Der Auf- oder Abstieg von einer Klasse in eine andere war nicht möglich.
1871 wurden das alte Feudalsystem und die Privilegien der Samurai Klasse offiziell abgeschafft. Die Daimyo mussten ihr Land an den Kaiser zurückgeben und erhielten Pensionen vom japanischen Staat. Heute haben die Samurai keinen amtlichen Status mehr. Ihre Nachkommen genießen aber immer noch ein hohes Ansehen in der japanischen Bevölkerung.
„The way of the samurai is death“
Tsunetomo Yamamoto, schrieb im 18. Jahrhundert "Hagakure", den legendären Ehrenkodex für Samurai
Die Samurai standen an der Spitze der sozialen Hierarchie und genossen viele Privilegien. Sie sollten aber auch ein gutes Vorbild für die übrigen Bürger sein. Der Ehren- und Verhaltenskodex für die Samurai heißt Bushido und bedeutet so viel wie „Der Weg des Kriegers“. Im Mittelpunkt von Bushido stand die totale Loyalität gegenüber dem Herrn. Wenn ein Samurai seine Ehre verlor, brachte er sich oft selbst um, indem er sich mit seinem Schwert den Bauch aufschnitt. Diese Art von Selbstmord, der einem Leben ohne Würde bevorzugt wurde, wird Seppuku (oder Harakiri: „Bauch schneiden“) genannt.
Die Seele des Samurai ist das Schwert, Katana. Das japanische Schwert war schon in den frühen Feudalzeiten über die Grenzen Japans hinaus für seine Schärfe und Schönheit berühmt. Die Samurai durften zwei Schwerter tragen, ein langes und ein kurzes. Dieses Schwesternpaar heißt Daisho.
Das längere Schwert, das Katana, ist ca. 6076 cm lang. Es wurde für Kämpfe und im Training benutzt. Das kürzere, bis ca. 45 cm lang, wird Wakizashi genannt. Es wurde benutzt, um dem besiegten Gegner den Gnadenstoß zu geben und das Entleibungsritual zu vollziehen. Beide Schwerter werden in den Gürtel gesteckt, der den japanischen Schwertrock (Hakama) hält.
Für das Umgehen mit Schwertern gab es feste Regeln. Sie wurden in eigens dafür gefertigten Ständern sichtbar aufbewahrt und nachts neben das Kopfkissen gelegt. Auch die Art des Tragens wurde streng reglementiert. Selbst die traditionelle Verbeugung orientiert sich an der Idee des Kampfes, z.B. werden Verbeugungen meist nur so weit ausgeführt, dass man alle Bewegungen eines Fremden noch aus den Augenwinkeln sehen kann. So war der Alltag des Samurai permanent geprägt von der Möglichkeit eines Kampfes.
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