Die japanische Badekultur

Dem Element Wasser kommt in den verschiedenen Ausdrucksformen der japanischen Kunst eine wichtige Rolle zu, sei es in der Gartenarchitektur, der Landschaftsmalerei, auf Wandteppichen oder Holzdrucken. Durch ihren vulkanischen Ursprung verfügt die japanische Inselkette über eine Vielzahl heißer Quellen. So kam es zur Herausbildung der Besonderheit der japanischen Badekultur – der sehr hohen Temperatur des Badewassers, die sich zwischen 40 und 56 Grad bewegt. Es wird keine Seife verwendet, was vermutlich auf die im Buddhismus begründete Ablehnung tierischer Produkte zurückgeht.

Die japanische Badezeremonie kann an zwei Orten stattfinden: dem Ofuro (Familienbad) und dem Sento (öffentliches Bad). Sie verlangt, dass sich die Badenden schon vor dem Betreten des Bades gereinigt haben: Die Haut wird geschrubbt, bis sie rot ist. Das Bad selbst hat also keine Säuberungsfunktion mehr, sondern dient der Entspannung und dem geselligen Umgang.

Am Bad der Familie nehmen alle Generationen teil. Ist die Wanne nicht groß genug, um alle gleichzeitig aufzunehmen, wird beim Baden eine strenge hierarchische Reihenfolge eingehalten. Zur Gastfreundschaft gehört es auch, Gäste des Hauses zum Bad einzuladen, um ihnen den Besuch angenehm zu machen.

Das Baden ist ein wichtiger Teil der japanischen Alltagskultur. Männer und Frauen treffen sich in öffentlichen Bädern, die von innen meist mit unbehandeltem Holz verkleidet sind und auch mit Holz beheizt werden, wenn es keine heißen Quellen gibt. Luxuriösere Versionen der Bäder sind aus Marmor. Bäder mit heißen Quellen heißen Onsen und verfügen oft über mehrere Becken mit unterschiedlichen Wassertemperaturen. Das heiße Becken im Freien wird Rotenburo genannt und ist besonders in einer sternenklaren Winternacht sehr angenehm ...